Audio: Einmal ist keinmal oder wie kommuniziere ich, was nötig ist?

Teil 2 meines Artikels: 5 Bedingungen und 3 Beschlüsse für Sonnenwetter (Lichtempfindlichkeit)

„Hallo Anne, hier sitzen wir!“ ruft es aus Richtung des sonnenbeschienen Plätzchens am Rande des Cafés. „Klasse, oder? Wir haben diese schöne Bank gerade noch für uns ergattert.“

Was mache ich jetzt? Wie reagiere ich? Die zwei strahlen; sie sitzen genau dort, wo sie jetzt gerne sein möchten.

Ängste triggern alte Muster

Die alte Anne meldet sich. Die Anne, die nicht auffallen will. Die Anne, die denkt: Stell dich nicht so an. Es geht doch. Dann tut es eben etwas weh. Die Anne, die denkt, ach, was solls, die Klügere gibt nach.

Ihr merkt es. Alles in mir torpediert mich selbst, klug ist etwas Anderes.

Die uralte Angst. Das alte Gefühl von: Wenn ich jetzt nicht ja sage, dann finden die mich blöd. (Hört ihr gerade auch die 6 jährige sprechen?). Doe maar gewoon, flüstert eine neue Stimme in meinem Kopf. Grob übersetzt so etwas wie: Benimm dich normal, wie die anderen auch. Danke schön, liebes neues niederländisches Ich, dich brauche ich gerade nun wirklich nicht in meinem Chor.

Erwachsen bleiben, stark sein

Dies habe ich anders beschlossen aus gutem Grund. Ich richte mich auf. Aufrechte Körperhaltung macht aufrechten Geist, denke ich. Freundlich und klar sage ich: „Das ist wirklich ein toller Platz. Leider nicht für mich. Ich bin äußerst blendempfindlich.“ Ich zeige auf meinen Hut und meine Spezialsonnenbrille. „Lasst uns doch nach einem Plätzchen im Halbschatten schauen.“

Das fühlt sich gut an. Ich atme auf.

Schwer begreiflich

Sie schauen enttäuscht. „Schau doch. Die Sonne geht bestimmt in spätestens einer halben Stunde weiter. Das geht doch bestimmt hier, oder?“

Die Bank weist genau in Richtung Sonne. Keine Möglichkeit, mich mit dem Rücken zu ihr zu platzieren. Es schmerzt und sehen kann ich auch nichts mehr. War mein Niederländisch ungenau? Quatsch, so viel Niederländisch kann ich ja nun wirklich.

Nochmals richte ich mich innerlich auf. „Es tut mir wirklich leid. Gerade diese Sonne ist besonders perfide. Ich würde gerne, aber es geht leider nicht.“

Es fühlt sich schon weniger gut an.

Unglaublich (für mich): Sie versuchen es noch einmal. Erklärt es mir. Ich verstehe es nicht. Es handelt sich um zwei ausgesprochen nette Menschen. Was passiert hier? Ich vermute, es ist einfach sehr schwer begreiflich für Menschen, die es nicht kennen.

Das sage ich jetzt. Zu dem Zeitpunkt herrscht in mir eine Mischung aus Ungläubigkeit und schlechtem Gefühl. („Es scheint ihnen so unglaublich wichtig zu sein und ich nehme ihnen diese Feierabendfreude.“)

Nicht konstruktiv, Anne, diese Gedanken. Lass das mal schön. Du hast dir deine Augen nicht ausgesucht. Es kann niemand von dir erwarten, dass du dich bewusst Schmerzen aussetzt.

Üben, üben, üben

Seit einigen Monaten übe ich neue Muster. Ich übe, offen damit umzugehen, dass wir, meine Augen und ich, kein Durchschnitt sind.

Mein Kopf ist überzeugt: Wenn ich klar bin, dann ist dies auch für andere kein Problem. Und wenn doch, dann gehören wir nicht zusammen, also, die anderen und ich. Meine Augen gehören ja untrennbar zu mir. Mein Herz hinkt da noch etwas nach, aber Übung macht ja bekanntlich die Meisterin.

Es wird noch ein unterhaltsamer Abend, dort auf dem Plätzchen im Halbschatten.

Einmal ist keinmal

Ich erinnere mich an eine Kommunikationsregel aus dem Changemanagement: Einmal ist keinmal. Früher eine Erinnerung an Führungskräfte: Eure Leute hören diese Idee gerade zum ersten Mal, während ihr schon Wochen darüber nachdenkt. Es muss einsickern. Kommunziert eure Botschaft mindestens 3 x auf unterschiedliche Weise.

Ok, verstanden. Das beherzige ich für mich in Zukunft, als Führungskraft in meinem eigenen Leben.

Kennt ihr dies, diese alten Muster? Kennt ihr die Angst davor, anders zu sein als die (vermeintliche) Gruppe? Wie geht ihr damit um?

Wie immer warte ich gespannt auf eure Ideen. Probiert es doch mal aus, mit den 3 x kommunizieren. Es hilft bestimmt.

Eure Anne

Liest du mit Voiceover? Dann sage doch Bescheid, ob du bei dem Foto etwas vorgelesen bekommst. Sonst übe ich weiter Technik!

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